Fundkatalog Mittelalter/Neuzeit
(FK/ING)

Der Münzfund von Kerschberg in ungereinigtem Zustand bei der Erstdokumentation nach der Auffindung. Foto: OÖ LKG, Alexandra Bruckböck

Eine zentrale Quellengattung für die Erforschung des Geldumlaufs sind die Münzfunde. Die vollständige Erfassung der Münzfunde im heutigen Österreich und ihre Interpretation sind unabdingbare Grundlagen, um den historischen Geldumlauf in diesem Territorium fassen und verstehen zu können.

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden Münzfunde in Österreich systematisch verzeichnet und publiziert. Das Material ist jedoch weit verstreut und schon längst nicht mehr leicht zu überblicken. Abgesehen von relativ seltenen Monographien finden sich Publikationen in den vielen Serien österreichischer numismatischer Zeitschriften, in den diversen Publikationsreihen des Bundesdenkmalamts und in zahlreichen Zeitschriften regionalen oder lokalen Zuschnitts. Viele Fundkomplexe sind zudem zwar bearbeitet, aber niemals publiziert worden. Dieser Zustand steht einer Auswertung der Münzfunde als Quelle für den Geldumlauf und im Rahmen der Wirtschaftsgeschichte im Wege.

Deshalb wird am Institut für Numismatik und Geldgeschichte (ING) der Universität Wien gemeinsam mit der Österreichischen Forschungsgesellschaft für Numismatik (ÖFN) seit 2004 eine Datenbank der Münzfunde des Mittelalters und der Neuzeit aus dem heutigen Österreich aufgebaut. Erfasst werden Schatz- oder Hortfunde sowie Einzelfunde und Einzelfundkomplexe, aber auch verlorene Geldbörsen und rituelle Deponierungen wie in Grundsteinen, Kirchturmknöpfen, Gräbern, etc. Der zeitliche Rahmen reicht von 498 (Münzreform des Anastasius als Beginn der byzantinischen Münzprägung) bis zur Einführung des Euro in Österreich im Jahr 2002.

Die Datenbank enthält Basisdaten zu Münzfunden und Fundkomplexen und dient als Findbehelf. Es geht also um die Eckdaten wie Fundort (mit den administrativen Angaben), Fundumstände, Datierung von Verbergung und Auffindung, zahlenmäßiger Umfang, Fundgefäß und Verbleib. Zentrale Punkte sind der Fundinhalt und eine möglichst vollständige Erfassung der Literatur, die sich bisher mit dem jeweiligen Fundkomplex beschäftigt hat. Der Fundinhalt ist – soweit bekannt – in der Regel so detailliert verzeichnet, dass jedenfalls alle enthaltenen Münzstände auffindbar sind. Neben Funden von Münzen und Papiergeld werden auch weitere numismatische Objekte berücksichtigt wie Pilgerzeichen, Medaillen, Wertmarken, Abzeichen, Plomben, etc.

Die Datenbank ermöglicht also die Recherche nach Funden, die für eine bestimmte Fragestellung relevant sind. Gleichzeitig erfährt man, welche Publikationen (und evtl. auch ungedruckte Aktenbestände) dazu vorliegen, auf deren Basis man den Fund für eigene Forschungen heranziehen kann. Die Datenbank sollte dann natürlich auch zitiert werden, mit dem Kürzel FK/ING, Fundkatalog am Institut für Numismatik und Geldgeschichte, sowie der sechsstelligen Erfassungsnummer (FK/ING 100.001 ff).

Die Datenbank wird technisch in KENOM betrieben (https://www.kenom.de/), und zwar gemeinsam mit ihrem deutschen Pendant, dem Fundkatalog der deutschen Münzfunde des Mittelalters und der Neuzeit (ab 750), der seit 1950 von der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland aufgebaut und gepflegt wird. Mit der Integrierung in KENOM können die Einträge nun auch öffentlich zugänglich gemacht werden.  Im Jahr 2021 wurden die ersten deutschen Funde online sichtbar geschaltet. Seit dem 27. April 2023 sind auch österreichische Fundkomplexe öffentlich zugänglich. Über die Homepage der Numismatischen Kommission werden die Fundkomplexe Deutschlands und Österreichs öffentlich zugänglich ausgespielt, soweit sie dafür bereits freigegeben sind:

Der österreichische Fundkatalog enthielt im August 2026 einen Bestand von 3.662 Fundkomplexen, von denen 1.243 Komplexe öffentlich zugänglich waren. Die Datenbank steht somit für wissenschaftliche Forschungsvorhaben zur Verfügung. Sie erlaubt insbesondere Abfragen für folgende Fragestellungen:
– gezielte Suche nach Informationen zu einem bereits bekannten Fund
– Ermittlung von Fundvorkommen bestimmter Münzen oder Münzsorten
– Suche nach Funden einer bestimmten Zeitstellung
– Erfassung von Funden einer bestimmten Region / aus einem bestimmten Ort
– Recherchen nach Arten von Fundgefäßen.
– usw.

In Ergänzung der österreichischen Datenbank gibt es in Wien ein umfangreiches Archiv. Dieses besteht aus papierenen wie auch digitalen Fundakten. Hier finden sich Kopien bzw. Digitalisate von Literatur, Fundlisten, E-Mail- oder brieflicher Korrespondenz und andere Unterlagen. Ein wesentlicher Bestandteil sind insbesondere auch digitale Fotos vieler Fundstücke. Seit Beginn der Digitalfotografie ist es Standard, alle vorgelegten Fundmünzen fotografisch zu dokumentieren. Diese Materialien können aus urheberrechtlichen und Datenschutz-Gründen nicht online zur Verfügung gestellt werden. Ihre Verwendung für wissenschaftliche Fragestellungen ist aber möglich. Für mehr als die Hälfte der verzeichneten Fundkomplexe enthält dieses Archiv bereits digitale Unterlagen.

Für Fragen zur Datenbank bzw. zu den Fundakten wenden Sie sich bitte an die folgende e-mail-Adresse:

fundkatalog.numismatik@univie.ac.at

Der weitere Ausbau der Datenbank ist unser großes Anliegen. Dafür sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen. Bitte …
… informieren Sie uns über Publikationen, insbesondere auch außerhalb des numismatischen Schrifttums, die Fundmünzen aus Österreich enthalten oder behandeln; jede Erwähnung, auch von Einzelstücken, ist von Interesse;
… senden Sie uns ein Exemplar Ihrer einschlägigen Publikationen für unsere Institutsbibliothek;
… versorgen Sie uns mit Informationen zu Münzfunden, von denen Sie Kenntnis erhalten;
… weisen Sie andere Interessent*innen bzw. Materiallieferant*innen auf unsere Datenbank hin;
… helfen Sie uns bei der Finanzierung studentischer Mitarbeiter*innen, die für die kontinuierliche Eingabe weiterer Funde und Daten dringend benötigt werden.

Meldungen neuer Münzfunde (Einzel- und Hortfunde) in Österreich haben durch die Finder*innen an das Bundesdenkmalamt zu erfolgen. Weitere Informationen finden Sie hier:

Der Fundkatalog am Institut für Numismatik und Geldgeschichte (FK/ING) wurde in den vergangenen Jahren von folgenden Institutionen gefördert:

– Bundeskanzleramt der Republik Österreich
– Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank
– Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Wissenschaft und Forschung
– Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 14 – Kunst und Kultur
– Förderverein Rudolfinum des Landesmuseums Kärnten
– Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung 7 – Kultur, Wissenschaft und Archiv
– Magistrat der Stadt Wien, MA 7 – Kultur
– Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien

Die derzeitige Arbeit am Projekt wird durch folgende Geldgeber finanziert:

– Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Wissenschaft und Forschung
– Förderverein Rudolfinum des Landesmuseums Kärnten
Zur Förderung dieses Projekts besteht eine Kooperationsvereinbarung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte mit der Stadtarchäologie Wien.